Der Staat soll absichern und nicht behindern

Voigt: Mit klarem Konzept in die Wahlen

Weimar. (tlz/Sommer) Mindesteinkommen statt Mindestlohn: Wenn es nach Mario Voigt geht, muss die CDU in den kommenden Monaten herausstellen, wofür sie steht und warum ihr Konzept für Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Arbeitsuchende das bessere ist. Wichtig sei auch zu verdeutlichen, dass die CDU soziale Fragen wichtig nimmt, sagt der Thüringer. Fortschritte auf dem Gebiet Bildung und Familie spielten zudem eine wichtige Rolle, die es für die Wahlen in den Mittelpunkt zu rücken gelte. Bekenntnis zum solidarischen Bürgergeld: Der JU-Vorsitzende spricht sich für das solidarische Bürgergeld aus eine Idee, die auf den Thüringer CDU-Chef und Ministerpräsidenten Dieter Althaus zurückgeht und die dieser auf Bundesebene voranbringen will. HartzIV sieht Voigt eher als ein Programm, das die Betroffenen hemmt, ihres eigenen Glückes Schmied zu sein. Unser Ansatz ist: Absichern, damit Menschen ein ordentliches Leben führen können, sagt Voigt. Der Staat dürfe aber dem Erwerbssinn der Bürger nicht im Wege stehen. Wenn Anfang 2009 der Bericht der von Althaus verantworteten Arbeitsgruppe vorgelegt werde, ist das genau der richtige Zeitpunkt, um dieses Thema zu diskutieren, so Voigt. Auch mit den Fortschritten auf den Gebieten Bildung wobei hier noch der große Bildungsgipfel ansteht und Familie lasse sich punkten, gibt der 31-Jährige zu bedenken. Insgesamt gut aufgestellt sieht er die Bundes-CDU für die Wahl 2009 auch wenn derzeit Kritik am Wirtschaftsprofil der Union aufflammt. Die CDU ist immer dann stark, wenn sie geschlossen ist, erteilt er denen eine Absage etwa aus Wirtschaftskreisen, die jetzt mitten in der Ferienzeit die verreiste Kanzlerin Angela Merkel kritisieren. Wir müssen ihr den Rücken stärken und nicht in den Rücken fallen, so Voigt. Das Wirtschaftsprofil zu stärken sei aber ein Dauerthema, nur eigne es sich nicht zum Streit in der Öffentlichkeit. Als junge Kraft in den Thüringer Landtag einziehen: Voigt hat nicht nur die Bundespolitik im Blick, er zielt vor allem auf die Entwicklungen im Land, denn hier will er künftig noch mehr Politik machen: 2009 kämpft Voigt um das Direktmandat im Saale-Holzland-Kreis. Der vormalige CDU-Abgeordnete Wieland Rose ist verstorben. Voigts Ziel ist der Einzug in den Landtag. Politik fasziniert ihn bereits, seit er 13 ist: 1990 sah und hörte er in Jena den Kanzler der Einheit Helmut Kohl. Wenige Jahre später gründete der junge Mann aus Milda im Saale-Holzland-Kreis die Junge Union in seiner Region mit. Geschichte, Politik und Öffentliches Recht hat er studiert in Jena, Bonn und den USA , kürzlich seinen Doktortitel gemacht. Beschäftigt ist er bei Analytik Jena. Und als JU-Chef ein politisch wichtiger Mann. Das liegt auch an den Zahlen: Die Junge Union Thüringen hat mehr Mitglieder als die FDP Thüringen, rechnet er beim Stand von derzeit 1870 vor und damit mehr Mitglieder als alle anderen politischen Jugendorganisationen zusammen. Andere JU-Verbände können sich von den Thüringern manches abschauen: So gab es 2007 fast 200 Neueintritte davon ein Drittel unter 19; wer 35 wird, ist automatisch draußen. Wir setzen auf die richtige Ansprache: 50 Prozent Politik und 50 Prozent Spaß, sagt Voigt. Es werde ein breites Spektrum abgedeckt von der Morgenandacht bis zum ,Black is beautiful‘-Kondom, so der Jung-Politiker. Deutliche Absage an die Verklärung der SED-Diktatur: Voigt hält die heutige Schülergeneration für durchaus an Politik interessiert jedenfalls dann, wenn das Wissen vermittelt werde. Es kann doch nicht sein, dass die Jugend Lady Bitch Ray kennt, aber nichts von Willy Brandt weiß, sagt er im TLZ-Gespräch. Er will weg vom Beschönigen der DDR-Vergangenheit. Die Verklärung spiele nur der Linken in die Hände. Da haben die Sektkorken geknallt, als die Schülerstudie herauskam, vermutet der Thüringer. Was DDR bedeutet hat und wie weit sie in das Leben der Menschen eingriff, das weiß er aus leidvoller Erfahrung von Urgroßvater und Großvater: Sie wurden 1952 während der Umsiedlungsaktion Ungeziefer aus dem Sonneberger Raum vertrieben und mussten sich ein neues Leben aufbauen. Viele Jugendlichen hätten davon aber kaum eine Ahnung. In Familien und in der Schule werde das Thema zu wenig besprochen. Deshalb macht sich Voigt mit einem ganzen Maßnahmenbündel stark gegen Verklärung und Vergessen. Wer wisse, wie das System funktioniert habe, lasse sich nicht so leicht übertöpeln, ist er sich sicher. Und den Erwachsenen, die sich oft angegriffen fühlen, wenn die SED-Diktatur zur Sprache kommt, sagt er zweierlei: 250000 Stasi-Mitarbeiter bei 16 Millionen Einwohnern seien kein Randphänomen. Und: Nicht die Aufklärung heute schmälere die Anstrengungen von ehrlichen Bürgern zu Honeckers Zeiten. Vielmehr habe die DDR viele Menschen ganz konkret um deren Lebensleistung betrogen. Noch deutlicher müsse auch darüber gesprochen werden, dass die DDR Ende der 80er Jahre vor dem wirtschaftlichen Ruin stand. Geschichtswissen ist aus der Sicht des Thüringers wichtig fördern will er auch den Stolz auf die Heimat. Bei ihm stand nie zur Debatte, dass Milda im Saale-Holzland-Kreis seine eigentliche Basis ist. Daran haben Studien- und Arbeitsaufenthalte in USA und Brüssel nichts geändert: Von Milda aus will er die Zukunft des Landes mitgestalten. Demnächst als Landtagsabgeordneter. Und an einen Punkt will er ran: die Kreis- und Gebietsreform. Landkreise seien wichtig, betont er. Sie hätten eine eigene Identität. Durchaus könne manche Aufgabe mit den kreisfreien Städten gemeinsam gelöst werden. Aber: Es sei nicht richtig, wenn etwa Jenas OB Albrecht Schröter (SPD) versuche, einzelne Orte zu umwerben, herauszubrechen und einzugemeinden. Bildunterschrift: Will Politik im Land gestalten: Mario Voigt, Vorsitzender der JU Thüringen.