Digital Public Affairs Trends in Deutschland

Digital Public Affairs in Deutschland nimmt rasant zu. In der Hochgeschwindigkeit des Internet-Zeitalters beschleunigt sich die Kommunikation. Inhaltliche Reaktionen erfolgen in Echtzeit und Communities vermischen sich im Digitalen. Dies belegt die 17. Public-Affairs-Umfrage von MSL in Deutschland. Seit 17 Jahren befragt die Kommunikationsberatung MSL Germany Verantwortliche in Unternehmen und Verbänden zu Trends. Es ist die etablierte Langzeitstudie der Public Affairs-Branche.

Die Wendung der politischen Kommunikation und deren Akteure hin zum digitalen Dialog auf unterschiedlichen Plattformen führt zu einer wachsenden Sichtbarkeit von politischen Debatten und Inhalten. Nun wird man beobachtet – nicht nur von den Wettbewerbern, sondern auch von den Medien. Public Affairs Arbeit wird den digitalen Marktplatz nicht mehr verlassen und wächst rasant.

Doch welche Trends zeigen sich in der MSL-Studie des Jahres 2018?

  1. Twitter ist der Public Affairs King

Die Nutzung von Twitter in der Public Affairs Arbeit rasant zu. Waren es 2017 noch 70 Prozent der Befragten, die angaben, Twitter zur Pflege politischer Kontakte zu nutzen, sind es heute beinahe 90 Prozent. Damit liegt der Mircobloggingdienst deutlich vor den anderen Instrumenten der digitalen Kommunikation. In Deutschland sind mehr als 12 Mio. Menschen dort registriert, wovon über 1 Million Menschen Twitter aktiv nutzen, indem sie mindestens einmal pro Woche ein Tweet versenden.

Vermehrt eingesetzt werden aber auch Facebook (60 Prozent) sowie LinkedIn (65 Prozent) und Xing (50 Prozent). Dies überrascht nicht: Wirkmächtiger werde die Public Affairs Akteure, die aus der Anonymität der Kommunikation in die Mitte des digitalen Marktplatzes treten. Es kommt zu einer Personalisierung auf den wichtigen digitalen Plattformen, wo man Gesicht zeigen muss, um an der politischen Diskussion langfristig mitwirken zu können. Gelingt dies, ist einem die Gewinnung einer eigenen Fanbase und erhöhter Reichweite aka Einfluss gewiss. Daher entstehen neue Instrumente der Zusammenarbeit und Interaktion.

Twitter ist der Elitenkanal der politischen Klasse. Journalisten, Politiker und politisch Interessierte verfolgen in dem öffentlichen Raum Dialoge, sammeln Informationen oder tauschen ihre Meinungen aus.KLICK UM ZU TWEETEN

  1. Digitale Nachrichtendominanz: Online-Medien sind wichtigste Infoquelle

Erstmals in der Befragung von MSL nehmen die Online Medien mit 85 Prozent den Spitzenplatz bei der Frage nach der wichtigsten Informationsquelle für Public Affairs ein. Nachdem sie in der Vorjahresbefragung mit 65 Prozent noch den 2. Platz hinter dem Pressespiegel einnahmen, stehen Online Medien auf dem Siegertreppchen (nun wichtiger als Pressespiegel 70%). Die Geschwindigkeit der Informationsaufnahme und -weitergabe, der öffentliche Diskurs über Meinungen und Positionen, Facts und Figures hat zugenommen.

Gut gemachte Inhalte als Sharepics, Bewegtbild oder synthetisierte Informationen gewinnen an Macht, da sie schnelle Verbreitung in der Community finden. Events und Briefings werden in Echtzeit oder kuratiert an die Nutzer weitergegeben. Es überrascht nicht, dass die digitalen Instrumente E-Mail mit 62 Prozent und sozialen Netzwerke mit 53 Prozent als wichtiger Informationsquellen eingestuft werden (Platz 3 und 4) als die Tageszeitung (51%).

 

 

  1. High tech mit high touch: Das persönliche Gespräch ist immer noch Premium

Bei aller digitalen Euphorie: Face to face still matters. Auch Zeiten der digitalen Kommunikation bleibt das persönliche Gespräch mit Entscheidern der Premiumweg seine Argumente und Sichtweisen vorzutragen. Insgesamt 98 Prozent der Public-Affairs- Verantwortlichen halten das persönliche Gespräch für unersetzlich. Auch die Teilnahme an Podiumsdiskussionen oder eigene politische Veranstaltungen sind für über 75 Prozent ein probates Mittel der Interessenvertretung. Mehr als die Hälfte (55%) nutzt Social Media zur regelmäßigen politischen Kontaktpflege.

  1. Mehr Sichtbarkeit und mehr Ressourcen für Public Affairs Arbeit

Die Zeiten sind vorbei, wo der Praktikant den Twitterkanal bedient hat. Bei den umfassenden Erfordernissen der digitalen Kommunikation ändert sich das Anforderungsprofil.

Public Affairs Akteure müssen text- und tonsicher auf der digitalen Klaviatur spielen können.KLICK UM ZU TWEETEN

Dies wird in vielen Organisationen nur mit zusätzlicher personeller Professionalität und mehr finanziellen Ressourcen funktionieren. Dementsprechend investieren Public-Affairs-Verantwortliche in den Einsatz von Ressourcen für Public-Affairs-Aktivitäten – circa 35 Prozent der Befragten sehen eine Zunahme von finanziellen wie personellen Ressourcen. Mit der Investition schreitet auch die Digitalisierung der Branche voran. So gaben mehr als die Hälfte der Befragten an, eine dauerhafte Präsenz im Social Web im Rahmen von Public-Affairs-Aktivitäten zu verfolgen.

  1. Regierung bekommt ein schlechtes Zeugnis

Natürlich haben die Befragten auch eine Meinung zur aktuellen Regierungsarbeit. Nur 26 Prozent der Befragten bewerten die Regierungsarbeit als „sehr gut“ oder „gut“. Vor einem Jahr hatte die Mehrheit der Public-Affairs-Verantwortlichen die Arbeit der Großen Koalition noch positiv beurteilt. Durchweg schlecht wird auch die Arbeit der Oppositionsparteien Die Linke und AfD beurteilt. Bündnis 90/Die Grünen und die FDP erhalten hingegen eine mehrheitlich positive Beurteilung.

Mit Blick auf die Digitalthemen steht der Trendsetter KI mit 77 Prozent ganz vorne. In dichter Folge werden Industrie 4.0 (55%), Datenschutz (53%), Blockchain (51%) und Big Data (49%) als relevante Handlungsfelder in dieser Legislatur benannt.

Public Affairs wird digitaler. Die Bedeutung der Digitalisierung in der Interessevertretung nimmt zu und ist mittlerweile für viele Akteure ein normales Instrument der Kontaktpflege. Mit der Langzeitbefragung liefert MSL auch in diesem Jahr wieder eine gelungene Übersicht über die neusten Entwicklungslinien.

Mehr Digital Public Affairs gibt es am 15.10.2018 auf der 3. Konferenz für Digital Public Affairs der Quadriga Hochschule.