Junge Leute wollen mehr Verantwortung

OTZ sprach mit JU-Landeschef Mario Voigt

Ihre CDU-Nachwuchsorganisation Junge Union trifft sich heute in Eisenberg zu einem Kommunal-Forum. Wollen Sie der Mutterpartei etwa kommunalpolitische Defizite vorhalten? Es geht uns um neue Ideen. Wir sind mit 1850 Mitgliedern inzwischen stärker als die FDP und somit viertstärkste politische Kraft im Land. Daraus leiten wir den Anspruch ab, mit eigenen Vorschlägen zur Weiterentwicklung Thüringens an die Öffentlichkeit zu gehen. Was ist den JU-Mitgliedern denn eingefallen? Zum Beispiel, wie die bürgernahe Kommune der Zukunft aussehen sollte. Mit rollenden Behörden, wenig Bürokratie und einer bundesweiten Vorreiterrolle bei der Einführung des E-Governments. E-Government heißt, dass Behördenkontakte per Internet erledigt werden. Das trauen Sie einer alternden Bevölkerung zu? Auch die Internet-Nutzer werden älter. Man muss perspektivisch denken. Eine Gemeindereform gehört nicht zu ihrem Repertoire? Wir begrüßen das Modell der Landgemeinde. Thüringen war immer stark, wenn die Identität der Orte und ihrer Bürger ernst genommen wurde. Klar spüren viele Gemeinden den demographischen Druck. Aber es ist besser, Zusammenschlüsse und arbeitsteilige Vereinbarungen auf freiwilliger Basis zu fördern, statt Fusionen von oben zu verordnen. Wo große Einheiten geschaffen wurden wie in Mecklenburg-Vorpommern, fehlt es an Akzeptanz. Am Ende verringert sich das Engagement der Bürger, das kann keine Lösung sein. Sie schlagen vor, dass auf den Stimmzetteln bei Kommunalwahlen auch das Alter der Kandidaten vermerkt wird. Warum? Weil wir glauben, jungen Menschen muss die Chance gegeben werden, in ihrer Gemeinde, in ihrem Landkreis Verantwortung zu übernehmen. Mit der Altersangabe würde den Wählern signalisiert: He, da ist ein Junger, der will sich in die Pflicht nehmen lassen. Wenn ihr Interesse habt, auch junge Leute in die Politik zu bringen, dann macht dort euer Kreuz. Wäre es nicht Sache der Parteien, ihren politischen Nachwuchs in günstiges Licht zu rücken? Die CDU Thüringen hat 2009 eine sehr gute Chance, zu zeigen, dass sie junge Leute ernst nimmt und sich aus sich selbst heraus erneuern kann. Wir wollen nächstes Jahr 100 Mitglieder aus unserer Organisation in kommunalpolitische Verantwortung bringen. Die CDU sollte deshalb mindestens jeden siebten Platz ihrer Wahllisten mit einem Kandidaten unter 35 Jahren besetzen. Auch bei den Landtagswahlen. Quotierungswut war bislang eher von den Grünen oder der PDS bekannt. Fühlen sich Junge in der CDU diskriminiert? Nein. Aber wir wollen in Eisenberg Zeichen für die Jugend setzen. Die CDU Thüringen kann ja auch für sich selbst damit werben, dass sie die größte politische Jugendorganisation in den neuen Bundesländern hat. Weiß denn Landesparteichef Dieter Althaus schon von Ihren Wünschen? Dass neue Ideen und neue Köpfe in die Politik gehören, diskutieren wir auch, wenn Herr Althaus bei der Jungen Union zu Besuch ist. Ich bin mir sicher, dass er unsere Vorschläge unterstützt. Vielleicht, weil Sie nie Ärger machen. In anderen Ländern ist der Nachwuchs aufmüpfiger. Man muss keinen künstlichen Streit vom Zaun brechen, aber sagen, was Sache ist. Ich glaube, wir haben mit unseren inhaltlichen Anregungen immer sehr gut gelegen. Nehmen wir nur das begleitete Fahren ab 17. Diese Sache hat die Junge Union Thüringen initiiert und viel Zustimmung unter Jugendlichen gefunden. Das hat die Landesregierung am Ende überzeugt. Sie mischen sich auch ins Landeswahlprogramm der CDU ein? Ja, wir wollen aufnehmen lassen, dass der Besuch des Kindergartens im letzten Jahr vor der Einschulung kostenfrei wird. Thüringen soll das Familienland Nummer1 in Deutschland bleiben. Außerdem drängen wir auf die Verstärkung des schnellen Breitbandangebots im ländlichen Raum. Das ist die Infrastruktur des 21.Jahrhunderts. Interview: V. Paczulla