Unternehmensnachfolge: Thüringer CDU fordert konkrete Maßnahmen (OTZ)

Bis 2022 müssen in Thüringen Nachfolger für 3100 Unternehmen gefunden werden. Die rot-rot-grüne Landesregierung vernachlässigt das Thema, findet der CDU-Wirtschafts­politiker Mario Voigt.

Jena. „Den bevorstehenden Umbruch nicht im Blick“ hat nach Auffassung des wirtschaftspolitischen Sprechers der CDU-Landtagsfraktion, Mario Voigt, die Landesregierung beim Thema Unternehmensnachfolge. Der Politiker aus dem Saale-Holzland-Kreis leitet diese Einschätzung aus den Antworten von Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) ab, die dieser auf Anfragen von Voigt gegeben hatte.

Laut Tiefensee stehen in Thüringen bis zum Jahr 2022 etwa 3100 Unternehmensnachfolgen an. Der Minister beruft sich dabei auf Erhebungen des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn, weil Thüringen keine eigenen Daten dazu erhebt.

Voigt wollte außerdem wissen, welche Beratungsleistungen in Thüringen für potenzielle Nachfolger geboten werden. Dazu verweist das Wirtschafts­ministerium unter anderem auf die beiden aus Steuermitteln finanzierten Nachfolgelotsen in den Industrie- und Handelskammern in Suhl und in Erfurt. Die ebenfalls angebotene Nachfolge-Beratung der IHK Ostthüringen in Gera wird hingegen allein aus Kammermitteln bestritten, wie Hauptgeschäftsführer Peter Höhne auf Nachfrage der Ostthüringer Zeitung bestätigte

„Mittelstand ist Rückgrat der Wirtschaft“

Landtagsabgeordneter Voigt bemängelt, dass das Wirtschaftsministerium keine „konkreten Maßnahmen“ zu nennen in der Lage sei, um Unternehmen bei anstehenden Nachfolgen zu unterstützen. Vier Bürgschaftsprogramme halte das Land Thüringen für potenzielle Nachfolger vor. Für den Christdemokraten völlig unzureichend.

Voigt: „Der Mittelstand ist das Rückgrat der Wirtschaft in Thüringen. Umso mehr verwundert es, dass das Thema Unternehmensnachfolge von der Landesregierung so stiefmütterlich behandelt wird.“ Der Abgeordnete mahnt, daran hingen viele Arbeitsplätze. Die Politik dürfe die Unternehmen nicht allein lassen: „Bisher investiert die Landesregierung zu wenig.“

Auf die Frage nach Programmen und Maßnahmen zur Unterstützung von Nachfolgen, hatte Tiefensee geantwortet: „Die Landesregierung plant, das breite Angebot an Förderinstrumenten fortzuführen und bedarfsgerecht weiterzuentwickeln.“ CDU-Mann Voigt hält das für zögerliches Agieren: „Das zeigt entweder Unkenntnis der Lage oder fehlende Ideen zur Lösung.“ Beides könne Thüringen nicht gebrauchen.

Nach Feststellung des Instituts für Mittelstandsforschung sind etwa 90 Prozent der Unternehmen in Deutschland in Familienbesitz. Aufgrund der demographischen Entwicklung sei von einem Anstieg der Unternehmensübergaben in den nächsten Jahren auszugehen.

Jörg Riebartsch 07.08.18

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