Unternehmer wollen den Standort Eisenberg-Jena-Hermsdorf voranbringen (OTZ)

Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sichert Unterstützung zu.

90 Minuten nahm sich ThüringensWirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) gestern Nachmittag Zeit für Eisenberg. Die Interessenvereinigung „Unternehmen für Eisenberg“ hatte den Minister eingeladen. Sie wollte klären, welche Unterstützung es aus Erfurt geben kann, damit der Wirtschaftsstandort Eisenberg für die Zukunft entwickelt werden kann.

Die Unternehmer und auch die Kommunalpolitiker aus der Kreisstadt und dem Kreis haben bereits eine eigene Idee. Diese wurde im Konferenzraum der Firma Colanar, deren Geschäftsführer Thomas Traub Sprecherder Unternehmervereinigung ist, dem Minister vorgestellt.

Hartmut Wottawa, Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Siegert TFT in Hermsdorf und beheimatet in Eisenberg, legt Wert darauf, dass sich seine Heimatstadt mit demselben Wirtschaftswachstum entwickelt wie Hermsdorf oder Jena. Mit Ansiedelungen der IT-Branche und Hochtechnologie solle Kindern und Enkeln die Chance gegeben werden, dass sie ihre Zukunft in Eisenberg oder in der Region sehen. „Als Unternehmerverband wollen wir dazu den Anstoß geben“, erklärte Wottawa.

Weiche Standortfaktoren wie Wohnraum, Kindergärten, Pflegeheime und Seniorenbetreuung hat Eisenberg sehr gute zu bieten. Darauf wies der Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt, Ralf Batz, als Mitglied in der Unternehmervereinigung hin. Und Steuerberater Marco Lipowski erklärte: „Wir haben erkannt, wir müssen als Unternehmer selbst etwas tun und wir wollen etwas bewegen.“

Der Landtagsabgeordnete Mario Voigt (CDU) wies auf die „Sandwich-Rolle“ hin, die der Saale-Holzland-Kreis zwischen Jena und Gera einnimmt. Ihn beschäftigt die Frage: „Wie kann man für die gesamte Region eine gemeinsame Vision entwickeln?“ Landrat Andreas Heller (CDU) blickt noch über die Kreisgrenze hinaus. Er sieht die Nähe des Kreises zur Wirtschaftsmetropole Leipzig zum einen und zum anderen zum Burgenlandkreis, der noch eine Quelle für hiesige Unternehmen sein könne, um Fachkräfte zu gewinnen. Den Beitritt des Landkreises zur Metropolregion Mitteldeutschland will er in den Kreistag einbringen.

Ein erster Schritt für mehr Wirtschaftswachstum in Eisenberg könnte der Aufbau eines Innovations- und Gründerzentrums sein. Landrat Heller verwies auf die Idee, dass der Technologie- und Innovationspark Jena (TIP), in dem der Landkreis einer der Gesellschafter ist, eine Tochter in Hermsdorf installieren könnte. Solch ein „Tochter-TIP“ könne auch in Eisenberg entstehen.

Option für Innovations- und Gründerzentrum

Bürgermeister Michael Kieslich (CDU) sieht in einem Innovations- und Gründerzentrum die Chance, dass sich Start-up-Unternehmen und Gründer ansiedeln und entwickeln können. Wichtig sei dabei aber die Frage nach dem Gebäude.

Der Wirtschaftsminister lobte die Initiative, die von der Basis, den Eisenberger Unternehmen selbst kommt: „Der Achse Jena-Hermsdorf-Eisenberg stärken, ist eine sehr gute Idee.“ Die Frage sei, welche Instrumente der Förderung geeignet seien, um Eisenberg und der Region zu helfen. Förderung für ein Regionalmanagement, wie es beispielsweise in der Region Ilmkreis-Gotha installiert wird, setzt eine Einwohnerzahl von 200 000 voraus. Die magische Zahl könnte der Saale-Holzland-Kreis nur im Verbund mit Jena und Gera erreichen. Zudem müsste die Datenbasis auf sichere Füße gestellt werden. Eine Studie zur Markterkundung könne vom Wirtschaftsministerium oder durch die Beteiligung der Landesentwicklungsgesellschaft gefördert werden. Der Minister ist sich jedoch nicht sicher, ob die industrielle Entwicklung der richtige Weg für Eisenberg ist. Aber: „Eisenberg als Gesundheitsstandort wäre hervorragend“, stellte Tiefensee fest. Die Gesundheitsbranche reiche weit über das Krankenhaus hinaus bis hin zur Pflege, Orthopädie und auch Robotik.

„Voraussetzung ist immer ein Regionales Entwicklungskonzept“, machte Tiefenseeeine wichtige Voraussetzung auch für die Förderung klar. Wenn man als Stadt ein Entwicklungskonzept habe, dann müsse das mit den Nachbarn abgestimmt werden für die gemeinsame regionale Entwicklung.

Eine greifbare Lösung haben die eineinhalb Stunden mit dem Wirtschaftsminister gestern gebracht für einen möglichen Standort für ein Innovations- und Gründerzentrums in Eisenberg. Landrat Heller und Bürgermeister Kieslich brachten die brach liegende Wurstfabrik ins Gespräch, in der sich bis vor wenigen Monaten Arbeitsamt und Jobcenter befunden hatten. Die Immobilie gehört der Thüringer Landesentwicklungsgesellschaft, die dafür Mieter sucht. „Das wäre etwas, was relativ schnell entschieden werden kann“, sagte Tiefensee.

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